 Kownatzki, Dierk: Asexuelle und sexuelle Reproduktion bei der Vogelkirsche (Prunus avium L.)
| Asexual and sexual reproduction in populations of wild cherry (Prunus avium L.) |
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Schlüsselwörter
Vogelkirsche, Prunus, Paarungssystem, gametophytische Inkompatibilität, Reproduktionsmodus, Genfluß, Phänologie, Samenmorphologie, klonale Struktur wild cherry, Prunus, mating system, gametophytic incompatibility, mode of reproduction, gene flow, phenology, seed morphology, clonal structure
Sachgruppe der DNB 26 Natur, Naturwissenschaften allgemein
Basisklassifikation 48.00
Göttinger Online Klassifikation YQH 000
Dissertation zur Erlangung des Doktortitels, angenommen von: Georg-August-Universität Göttingen, Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie, 2001-02-08
Abstract (english)
Because of the competition regime in mixed forests, recedent tree
species are permanent in danger of local extinction. The
central question of this study reads as follows: How could the
characteristics of the mechanisms of the genetic system guarantee
the reproductive coherence of a recedent tree species? To answer
this question, the mode of reproduction, the mating system and the
gene flow system of wild cherry (Prunus avium L.) were
studied. Wild cherry was chosen as a recedent model tree specie
because of its faculty of asexual reproduction and its gametophytic
incompatibility system.
The genetic concept of asexual reproduction of individuals is
based on their genetic identity at all gene loci. The inversion of
this implies that an individual was sexually reproduced if its
genetic identity is totally different from all others.
Transferring this concept to observable multilocus genotypes, each
unique type which occurs in a population will be defined as
sexually reproduced. Consequently, the rest of types with an
absolute frequency greater or eqal 2 must be asexually reproduced.
A seed orchard is collection of clones, which originate from
different stands. Based on multilocus genotypes representing 10
polymorphic gene loci, the wild cherry clones of four seed
orchards were tested whether they were already asexual
reproduced in the stands, from which they originated, or not.
Different measures are studied if they are suitable to represent
the population amount of asexual reproduction.
The gametophytic incompatibility system as a part of the
mating system was first analyzed on a system-theoretical basis.
The distribution of S genotypes in a totally differentiated
model population was demonstrated for different numbers of S
alleles. The results of pollination
experiments and investigations of gene markers for the S gene locus
were compared. Mating relations of neighbouring trees in a seed
orchard of wild cherry were carried out.
The incompatibility system in wild cherry is endangered by
activities in fruit tree breeding to increase self-fertility in
sweet cherry. Since sweet cherry is the cultured variety of wild
cherry, they are fully compatible. This may lead to a long-term
breakdown of the incompatibility system in wild cherry.
The main conclusions which can be drawn for recedent tree species
are the importance of preserving the mechanisms of the genetic
system, especially protection of the incompatibility system
from self-fertility alleles of the cultivated variety, and of
conserving effective population sizes and differentiation within
and between populations. Clone collections for the establishment
of seed orchards should note that a considerable number of wild
cherries in mixed stands are asexually reproduced.
Abstract (deutsch)
Wegen der Konkurrenzverhältnisse in Mischwäldern unterliegen
rezedente Baumarten ständig der Gefahr der lokale
Extinktion. Die
zentrale Frage der vorliegenden Dissertation lautet daher, wie
können die
Mechanismen des genetischen Systems den reproduktiven
Zusammenhalt einer rezedenten Mischbaumart garantieren? Um diese Frage
zu beantworten, wurde der Reproduktionsmodus, das Paarungs-
und Genflußsystem der Vogelkirsche untersucht. Die
Vogelkirsche (Prunus avium L.)
wurde wegen ihrer Fähigkeit zur asexuellen Reproduktion und ihres
gametophytischen Inkompatibilität als Modellbaumart ausgewählt.
Das genetische Konzept der asexuellen Reproduktion von Individuen
basiert auf der vollständigen genetischen Identität an allen
Genloci dieser Individuen. Im Umkehrschluß bedeutet dies für
ein sexuell reproduziertes Individuum, daß seine genetische
Identität sich vollständig von allen anderen unterscheidet. Wendet
man dieses Konzept auf beobachtbare Multilocus-Genotypen an, so ist
definitionsgemäß jeder einmalige Typ aus sexueller Reproduktion
hervorgegangen. Die übrigen Typen, die mit einer absoluten
Häufigkeit größer oder gleich 2 vorhanden sind, stammen
folglich aus asexueller Reproduktion.
Eine Samenplantage stellt eine Sammlung von Klonen dar, die ihren
Ursprung in unterschiedlichen Ausgangsbeständen haben. Auf der Basis
von Multilocus-Genotypen, die sich aus 10 polymorphen Genloci
zusammensetzen, wurden die Klone in vier Vogelkirschensamenplantagen dahingehend geprüft, ob sie sich bereits in den Ausgangsbeständen
asexuell reproduziert haben oder nicht. Verschiedene Maße, die den
Anteil aus asexueller Reproduktion stammender Individuen
bzw. Genotypen in Populationen messen sollen, wurden auf ihre Eignung
und Aussagefähigkeit hin untersucht.
Das gametophytische Inkompatibilitätssystem, das ein Teilaspekt des
Paarungssystems abbildet, wurde zunächst einer systemanalytischen
Betrachtung unterzogen. Die Verteilung der S-Genotypen in einer
vollständig differenzierten Modellpopulation ist für
unterschiedliche Anzahlen von S-Allelen dargestellt. Die Ergebnisse
von Bestäubungsversuchen und dem direkten,
biochemisch-genetischen Nachweis des S-Genlocus wurden
verglichen. Die Paarungsbeziehungen von benachbarten Bäumen einer
Vogelkirschensamenplantage wurden hergeleitet und graphisch
veranschaulicht.
Das Inkompatibilitätssystem der Vogelkirsche ist durch
Anstrengungen der Obstzüchtung bedroht, die die Selbstfertilität
der Süßkirsche fördern wollen. Da die Süßkirsche die
Kulturform der Vogelkirsche ist, sind beide vollständig
kompatibel. Langfristig kann dies zu einem Zusammenbruch des
Inkompatibilitätssystems bei der Vogelkirsche führen.
Die wichtigsten Schlußfolgerungen, welche für rezedente
Baumarten aus der Familie der Rosaceen abgeleitet werden können,
sind die Erhaltung der Funktionsfähigkeit der Mechanismen des
genetischen System, insbesondere der Schutz des
Inkompatibilitätssystems vor selbstfertile Kulturkirschen, sowie die
Erhaltung effektiver Populationsgrößen und ausreichend
Differenzierung innerhalb und zwischen Populationen. Bei der Auswahl
von Vogelkirschen für den Aufbau von Klonsammlungen, wie
Samenplantagen, sollte beachtet werden, daß eine erheblicher
Anteil der Bäume aus asexueller Reproduktion stammen kann.
Die vegetative Reproduktion der Individuen einer
Population darf bei der Auswahl geeigneter Saatguterntebestände
nicht unterschätzt werden.
| Betreuer:
| Hattemer, Hans H.; Prof. Dr. |
| Gutachter:
| Hattemer, Hans H.; Prof. Dr. |
| Gutachter:
| Gruber, Franz; Prof. Dr. |
| URL der Dissertation: | http://webdoc.sub.gwdg.de/diss/2002/kownatzki/vokirdis.pdf |
Niedersächsische
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