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FU Berlin
Digitale Dissertation

Marianne Sander :
"Jetzt könnt' ich mir das erlauben, jetzt sind die Kinder groß" Wissenschaftliche Weiterbildung von Frauen in der 'empty-nest'-Phase
- eine qualitative empirische Studie -
With the children gone, I now have the time. University adult education for women in the empty-nest phase

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|Zusammenfassung| |Inhaltsverzeichnis| |Ergänzende Angaben|

Zusammenfassung

Mit dem Heranwachsen der Kinder und ihrem Auszug reduzieren sich für Familienfrauen in der 'empty-nest'-Phase im primären Vergesellschaftungsbereich der Familie Kommunikationspartner und Anregungspotential. Ein Anspruch von Familienfrauen, dieses Defizit in dem bedeutenden Vergesellschaftungsbereich der Arbeitswelt auszugleichen, ist kaum zu realisieren; denn in der gegenwärtigen Situation räumt der Arbeitsmarkt in Deutschland ihnen nach einer längeren Unterbrechungszeit nur geringe Integrationschancen ein. So sind Familienfrauen in der familienzyklischen Phase des 'empty-nest' auf neuartige gesellschaftliche Praktiken und Beziehungen angewiesen, um einen Anspruch auf eigene Entwicklung- und Gestaltungsmöglichkeiten umzusetzen. In der vorliegenden Untersuchung wurde der Frage nachgegangen, inwieweit strukturierte wissenschaftliche Weiterbildungsangebote Frauen in dieser Lebensphase Vergesellschaftung ermöglichen und Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten bieten.

Die Erhebung der Daten wurde gefördert von der Förderkommission Frauenforschung der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit und Frauen. Es wurden biographisch-narrative Interviews bei zehn Frauen in der 'empty-nest'-Phase erhoben. Die geringe Fallzahl gibt der Untersuchung einen explorativen Charakter. Die zehn Frauen waren Teilnehmerinnen von vier-semestrigen weiterbildenden Studiengängen, die von zwei Universitäten in ähnlicher Strukturierung, aber mit unterschiedlichen Zielsetzungen (qualifizierend und allgemeinbildend-emanzipierend) angeboten wurden. Die qualitativen Daten wurden unter der Perspektive von vier Theoriekonzepten - Individualisierung, Lebenslauf, Vergesellschaftung und materialistische Theorie Bourdieus - analysiert. Es war ein besonderes Anliegen in dieser Untersuchung, die Perspektiven und den handelnden Umgang der Teilnehmerinnen zu erfassen. Beide weiterbildenden Studiengänge wurden in ihren Auswirkungen auf die Teilnehmerinnen auch vergleichend gegenüber gestellt.

Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass die systematischen wissenschaftlichen Weiterbildungsangebote eine sinnvolle und attraktive Form der Vergesellschaftung für Frauen in der 'empty-nest'-Phase darstellten. Sie boten ein hilfreiches Moratorium, das den Frauen eine Neuordnung der Verhältnisse und Perspektiven erleichterte. Im sozialen institutionellen Kontext der Universitäten konnten erweiterte soziale Interaktionen stattfinden, Kompetenzen entfaltet, neue Identitätsmuster konstruiert sowie neue Handlungsdispositionen erworben werden. Die befragten Frauen erlangten eine deutlich gestärkte Position bei familiären Aushandlungsprozessen. Auf dem Arbeitsmarkt jedoch verbesserten sich ihre Chancen kaum. Deshalb wurde für die Nachfolgezeit mehrfach ein Verbleiben im Bildungsbereich angestrebt. Eine Ausweitung und Institutionalisierung von strukturierten universitären Weiterbildungsangeboten erscheint vor allem unter dem Aspekt der Aufarbeitung von Differenzerfahrungen in besonderen Lebenslagen und -phasen empfehlenswert.


Inhaltsverzeichnis

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  Titel und Inhaltsverzeichnis Seite
Einleitung  1
1.1  Problem- und Fragestellung  1
1.2  Aufbau der Arbeit  4
Theoretischer Rahmen  6
2.1  Aufbau des theoretischen Rahmens 6
2.2  Individualisierung  7
2.3  Lebenslauf 10
2.3.1  Historische Veränderungen im Lebenslauf 10
2.3.2  Institutionalisierungskonzepte der Lebenslaufforschung  12
2.3.3  Lebensmitte, eine ausdifferenzierte Phase im Lebenslauf  15
2.4  Gesellschaftstheorie Bourdieus  18
2.4.1  Raum der sozialen Positionen - das Feld-Konzept  18
2.4.2  Raum der Lebensstile - das Habitus-Konzept  20
2.5  Vergesellschaftung  21
Handlungsbereiche der Vergesellschaftung  24
3.1  Frauen in Ehe und Familie  24
3.1.1  Historische Entwicklungen in Ehe und Familie  25
3.1.2  Partnerschaftsbeziehungen in der Ehe  28
3.1.3  Mutter-Kind-Beziehung 32
3.1.4  'Empty-nest'-Phase, eine moderne Phase des Familienzyklus  36
3.2  Frauen in der Arbeitswelt  41
3.2.1  Frauenerwerbsarbeit in der historischen Entwicklung  41
3.2.2  Vereinbarkeitsproblematik  45
3.2.3  Wiedereingliederungsproblematik  48
3.2.4  Symptome einer Krise der Arbeitsgesellschaft  49
3.2.5  Frauen im Ehrenamt  51
3.3  Frauen im Bildungssystem  55
3.3.1  Bildung im historischen Prozess  55
3.3.2  Frauenbildung  58
3.3.3  Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen  63
3.3.4  Wissenschaftliche Weiterbildung  65
Methodisches Vorgehen  77
4.1  Erhebung  77
4.1.1  Wahl der weiterbildenden Studienangebote  77
4.1.2  Wahl der qualitativen Erhebungsmethode  81
4.1.3  Auswahl des Samples  82
4.2  Auswertung  83
4.2.1  Auswertungsmethode  83
4.2.2  Darstellung der Ergebnisse  84
Ausgangssituation vor der Studientätigkeit  86
5.1  Berufsorientierungen und Handlungsräume  86
5.1.1  Schulische und berufliche Qualifikationen  86
5.1.2  Berufsarbeit als Erfahrung von 'Lust und Freud'  90
5.1.3  Berufsarbeit als Erfahrung von 'Last und Leid' 92
5.1.4  Ausstieg aus der Berufsarbeit  96
5.1.5  Ehrenamtliche Orientierungen und Handlungsräume  99
5.2  Familienorientierungen und Handlungsräume  101
5.2.1  Position der Frauen in der Familie  101
5.2.2  Kindorientierung  103
5.2.3  Ablösungs- und 'empty-nest'-Phase  107
5.2.4  Partnerorientierung  110
5.3  Bildungsorientierungen und Handlungsräume  113
5.4  Zusammenfassung  116
Einstieg in die wissenschaftliche Weiterbildung 120
6.1  Informationen und Hinweise  120
6.2  Gründe für den Einstieg in die wissenschaftliche Weiterbildung  122
6.2.1  Erfahrung von Defiziten, Differenzen und Krisen  122
6.2.2  Realisierung von eigenen Interessen  125
6.2.3  Realisierung eines Traumes  127
6.3  Zustimmung der Ehemänner  127
6.4  Zusammenfassung  130
Auswirkungen der wissenschaftlichen Weiterbildung  132
7.1  Bildungsorientierungen und Handlungsräume  132
7.1.1  Zeitliche Strukturierung des Alltags  132
7.1.2  Biographische Kontinuität  135
7.1.3  Zuweisung eines gesellschaftlichen Ortes  137
7.1.4  Kompetenzentfaltung und Identitätsbildung 140
7.1.5  Subjektives Gesundheitsgefühl 149
7.1.6  Soziale Interaktionen  150
7.1.7  Biographische Verarbeitung und Planung  155
7.2  Berufsorientierungen und Handlungsräume  164
7.2.1  Berufsorientierungen der Frauen aus dem qualifizierenden Studiengang  164
7.2.2  Berufsorientierungen der Frauen aus den 'Frauenstudien'  172
7.2.3  Berufsorientierungen der Frauen beider Studiengänge im Vergleich  174
7.2.4  Ehrenamtliche Orientierungen und Handlungsräume  175
7.3  Familienorientierungen und Handlungsräume  179
7.3.1  Auswirkungen auf die Kinder  180
7.3.2  Auswirkungen der 'Frauenstudien' auf die Partnerschaft  182
7.3.3  Auswirkungen des qualifizierenden Studienganges auf die Partnerschaft  188
7.3.4  Auswirkungen auf die Partnerschaftsbeziehungen im Vergleich  191
Abschließende Diskussion 193
8.1  Wissenschaftliche Weiterbildung in der Perspektive von vier Theoriekonzepten  193
8.1.1  Wissenschaftliche Weiterbildung, eine Vergesellschaftungsform 193
8.1.2  Wissenschaftliche Weiterbildung, ein Erwerbsprogramm für Bildungskapital  201
8.1.3  Wissenschaftliche Weiterbildung, ein Programm der Individualisierung  204
8.1.4  Wissenschaftliche Weiterbildung und Lebenslauf  207
8.2  Schlussfolgerungen  215
Literaturverzeichnis 219
10  Anhang 233
Erzählaufforderung  233
  Leitfadenfragen 235
  Tabelle 1: Stichprobe der interviewten Frauen in weiterbildenden Studiengängen  238

Ergänzende Angaben:

Online-Adresse: http://www.diss.fu-berlin.de/2001/31/index.html
Sprache: Deutsch
Keywords: women, empty-nest, university adult education, societal integration, individualization, life course, capital
DNB-Sachgruppe: 14 Soziologie, Gesellschaft
Datum der Disputation: 23-Nov-2000
Entstanden am: Fachbereich Politik- u. Sozialwissenschaft, Freie Universität Berlin
Erster Gutachter: PD Dr. Wolfgang Clemens
Zweiter Gutachter: Prof. Dr. Renate Rott
Kontakt (Verfasser): sanderhjm@aol.com
Kontakt (Betreuer): wclemens@zedat.fu-berlin.de
Abgabedatum:28-Feb-2001
Freigabedatum:02-Mar-2001

 


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