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Kapitel 2 - Schenkungen vollständiger Sammlungen| Übersicht |


12 Je einfacher, desto besser

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Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft Frankfurt. Band 2.
Frankfurt, 18. VII. 1727 – 30. VII. 1728.
Signatur: 2° Cod. Ms. Uff. 13: 2
Provenienz: Johann Friedrich Armand von Uffenbach, 1769/70

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2 ° Cod. Ms. Uff. 13: 2 (Ausschnitt)
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Johann Friedrich Armand von Uffenbach (1687 – 1769) war der jüngere Bruder des in Europa weithin bekannten Bücher- und Handschriftensammlers Zacharias Conrad von Uffenbach (1683 – 1743). Die Familie gehörte seit mehreren Generationen dem Frankfurter Patriziat an, und Johann Friedrich von Uffenbach bekleidete zu verschiedenen Zeiten hohe Ämter in der Stadt, war Mitglied des Rates, Schöffe und 1762 auch Bürgermeister von Frankfurt. Nach Beendigung seines Studiums in Gießen und Halle ging Uffenbach 1714 auf eine zweijährige Grand Tour durch die Schweiz, Italien, Frankreich und die Niederlande. Der junge Privatgelehrte interessierte sich insbesondere für Opernhäuser und Theater, für Kirchen und Paläste, besuchte aber außerdem die öffentlichen Bibliotheken, Galerien und Sammlungen. Er erwarb auf seinen Reisen zahlreiche Bücher, Graphiken, Gemälde sowie musikalische und wissenschaftliche Instrumente, die mit seinem Vermächtnis 1769 nach Göttingen gelangten.

Im Jahre 1725 gründete Uffenbach in Frankfurt eine Gesellschaft zur Pflege von Wissenschaft und Kunst, eine der frühesten bürgerlichen Gesellschaften dieser Art in Deutschland. Zu Beginn bestand sie aus nur sechs Mitgliedern, von denen drei dem akademischen Bürgertum, drei der Frankfurter Geschäftswelt angehörten. Der Verein trat alle vierzehn Tage zusammen, zunächst ohne Protokolle der Sitzungen anzufertigen. Erst 1726 übertrug man Uffenbach „das Ampt des Schreibers“, um die Inhalte der Treffen zu dokumentieren. Das Ergebnis waren fünf in grünes Leder gebundene Protokollbände mit dem Titel Wochentliche Sammlung der in Nützlichen Neben Stunden angestellten Untersuchungen der Natur und Kunst, welche zu einer vernünftigen Gemüths Ergötzung diejenige Gesellschaft veranlasset, deren Denckspruch ist Quo simplicius eo perfectius [Je einfacher, desto besser]. Die Themen der Zusammenkünfte waren äußerst vielfältig; oft wurden neue Maschinen, Musikinstrumente oder auch seltene Bücher vorgestellt, und regelmäßig versuchte man sich in Diskussionen und Anwendungen von Kunst- und Maltechniken.

Der in das Protokoll vom 9. Dezember 1727 eingeklebte Kupferstich wurde von Johann Friedrich von Uffenbach gezeichnet und gestochen. Er zeigt einen Blick in die Bibliothek seines Bruders Zacharias Conrad, damals mit 40.000 Bänden eine der größten Privatbibliotheken Deutschlands, die in acht Zimmern aufgestellt war. In dieser Sitzung präsentierte Uffenbach außerdem ein Schrankschloss mit zweifacher Verriegelung.

(HR)